Vertreter beschließen Fusion zur „Raiffeisenbank Oberpfalz NordWest eG“ – Viel Lob vom GVB

Bei der Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Kemnather Land–Steinwald eG am vergangenen Wochenende stimmten die 75 anwesenden Vertreter der Fusion mit der Raiffeisenbank Grafenwöhr-Kirchenthumbach eG mit einem Traumergebnis von 100 Prozent zu. Die neu gegründete Genossenschaft mit einer Bilanzsumme von nunmehr 437 Millionen Euro firmiert unter dem Namen „Raiffeisenbank Oberpfalz NordWest eG“.
 

Mit der Genehmigung des Verschmelzungsvertrages gaben die Vertreter das Startsignal für den Weg in eine gemeinsame Zukunft. Die Abstimmung zur Fusion führte unter der notariellen Aufsicht von Dr. Hans-Hermann Wörner der Regionaldirektor des Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz Franz Penker vom Genossenschaftsverband Bayern (GVB) durch. Bei allen 75 abgegebenen Stimmen entsprach dies einer Zustimmungsquote in Höhe von 100 Prozent, wobei eine Drei-Viertel-Mehrheit nur erforderlich gewesen wäre.

In der einen Tag zuvor stattgefundenen Vertreterversammlung des Fusionspartners in Kirchenthumbach zeigten die dortigen Vertreter ebenso eindrucksvoll mit ihrem Abstimmungsergebnis, dass sie in Zukunft gemeinsam mit den Kollegen aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth agieren wollen. Viel Lob bekamen die verantwortlich handelnden Personen beider Banken, die in nur wenigen Monaten stets auf Augenhöhe die Fusion auf den Weg gebracht hatten.

Gründe zur Fusion
Vorstand Joachim Geyer informierte zuvor über den Zusammenschluss. Die eigenen Vertreter konnten sich an drei regionalen Informationsveranstaltungen in Waldershof, Kemnath und Erbendorf über die Beweggründe der Fusion informieren. Er ging nochmals auf die Einwohnerprognosen bis zum Jahr 2030 ein, bei der sich die Einwohnerzahl im Landkreis Tirschenreuth um 10.000 Einwohner reduzieren wird. Die Zahl der Kunden, die ihre Bankgeschäfte mittels digitalen Kanälen erledigen, nimmt zudem stetig rasch zu. Im Grunde trägt jeder seine Bankfiliale mit dem Smartphone in seiner Hosentasche bereits mit, so Geyer.
 
Auch die überbordende Regulatorik in immer kürzeren Abständen kostet uns sehr viel Geld, mahnte Geyer. Waren es in 2007 noch weniger als fünf erlassene Richtlinien oder Leitfäden, die es zu beachten galt, wuchs die Anzahl der erlassenen Publikationen mittlerweile auf über 130 Stück an. Proportionalität ist in diesem Zusammenhang ein Fremdwort für die Europäische Aufsicht, formulierte der Vorstand seine deutliche Kritik. Eine Deutsche Bank oder eine Commerzbank als auch unser Haus müssen diese Vorschriften eins zu eins umsetzen, wobei die Risiken bei Großbanken mit Sicherheit deutlich höher sind als bei uns.
 
Ebenso verwies der Vorstand auf die anhaltende Niedrigzinspolitik der europäischen Zentralbank und deren Auswirkungen. Berücksichtigt man die Inflation werden jedes Jahr Milliarden an Euro vernichtet, auch zum Nachteil des kleinen Bürgers, dessen Kaufkraft seines Sparvermögen andauernd schrumpft, ohne das er etwas dafür kann. Dies alles sind kein Ereignisse, die hausgemacht sind und nur unsere Genossenschaftsbank betreffen, fasste Joachim Geyer zusammen, sondern sind ein Phänomen, das alle Banken stark beschäftigt.

Diesen Herausforderungen tritt man nun aus eigener Stärke entgegen, in dem man seine Kräfte mit denen der Raiffeisenbank Grafenwöhr–Kirchenthumbach eG erfolgreich bündelt. Ziel der Fusion ist es vor allem Kosten einzusparen, sowie die Sicherung und der Ausbau unserer Wettbewerbsfähigkeit, um zu einem verlässlichen Partner für die ländliche Region zu erstarken, betonte Geyer. Unsere Markenbotschaft „Wir sind Heimat“ ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern stellte die Maxime für unser Handeln dar. Man wird zudem voraussichtlich in Zukunft die einzige Genossenschaftsbank mit Sitz im Landkreis Tirschenreuth sein.

Ein gemeinsames Dach entsteht
Nach ersten losen Gesprächen mit der Raiffeisenbank Grafenwöhr–Kirchenthumbach eG. Man merkte bald, so der Vorstand, dass wir in gewisser Weise gleich ticken. Dieses gute Bauchgefühl trieb uns voran, die Gespräche mit den Kollegen auf Augenhöhe zu intensivieren. Vor allem war uns immer wichtig, dass die Fusion von Sinnhaftigkeit und Vorteilhaftigkeit geprägt sein muss. Eine Fusion um der Größe willen stand dabei nie im Vordergrund, denn Größe allein löst keine Probleme und ist kein probates Mittel gegen die bekannten Herausforderungen. Es folgte eine kurze Vorstellung der Partnerbank aus Grafenwöhr durch deren Vorstände Herbert Meier und Thomas Keck.

Der Name „Raiffeisenbank Oberpfalz NordWest eG“ wurde im Rahmen eines gemeinsamen Mitarbeiterwettbewerbes gefunden, die über fünfzig Vorschläge hierzu einreichten. Hierin finden sich in Zukunft alle unsere Geschäftsstellen von Kirchenthumbach bis Premenreuth und von Grafenwöhr bis Waldershof wieder, betonte Geyer. Die Bilanzsumme aus beiden Häusern beträgt neu 437,2 Millionen Euro, wobei diese auf der Aktivseite rund 200 Millionen Euro an Krediten ausweist. Auf der Passivseite vertrauen die Kunden der neuen Bank zukünftig Ersparnisse über 357 Millionen Euro an. Mit über 26.725 Kunden haben rund 2/3 der Einwohner des neuen Geschäftsgebietes eine Bankverbindung zur Genossenschaft.

GVB begleitete Fusion
Die zukünftige Mitarbeiterstärke beträgt 139 Personen. Beim Gewerbesteueraufkommen werden wir eine große Stütze für unsere Kommunen bleiben, betonte der Vorstand. Das Fusionshaus wird außer dem Hauptsitz in Kemnath an elf weiteren Standorten präsent sein. In der neuen „Raiffeisenbank Oberpfalz NordWest eG“ haben die Mitglieder ein Kapital in Höhe von 8 Millionen Euro gezeichnet. Die fusionierte Genossenschaftsbank kann somit auf ein Rücklagenpolster über 23 Millionen Euro zurück greifen, was angesichts der regulatorischen Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung von Kreditinstituten ein großer Vorteil ist.

Die juristischen Schritte zur Verschmelzung erläuterte ausführlich Regionaldirektor Franz Penker mit dem Verlesen und der Erläuterung des Verschmelzungsvertrages. Der GVB hat die Vorbereitungen für die Fusion intensiv begleitet. Der GVB-Vertreter betonte, dass es sich bei der angestrebten Fusion, um die strategisch richtige Entscheidung für die weitere Entwicklung beider Bank handelt. Die wirtschaftlichen und betrieblichen Eckdaten beider Häuser sind beeindruckend. Sie bilden eine solide Basis und eine gute Ausgangsposition für eine gemeinsame erfolgreiche Zukunft.