Geschäftsentwicklung

Über das abgelaufene Geschäftsjahr berichtete der Vorstandssprecher der Genossenschaft Joachim Geyer bei der Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Oberpfalz NordWest eG (wir berichteten).

Auf ein außerordentliches Jahr blickte Geyer eingangs seines Berichts zurück. Zum Schutz unserer Kunden und vor allem zum Schutz unserer Mitarbeiter mussten wir ab Mitte März 2020 sämtliche Filialen für den breiten Publikumsverkehr schließen, erinnerte der Vorstand. Abteilungen wurden auf verschiedene Standorte aufgeteilt, Mitarbeiter gingen ins Homeoffice und der Kommunikationsaustausch fand ausschließlich nur noch digital statt. Erst nach fünf Wochen öffneten wir unsere Geschäftsstellen wieder unter strengsten Sicherheits- und Hygienevorschriften. Hierbei war ein Groß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von allen Betroffenen von Nöten, wofür sich der Sprecher ausdrücklich bedankte.

Die Mitgliederzahl betrug zum Jahreswechsel 10.130 Personen, wobei im vergangenen Jahr ein Zuwachs von 271 neuen Mitgliedern zu verzeichnen war. Geyer warb für die Idee des Genossenschaftsgedanken. Bei einer Genossenschaftsbank spielt es im Gegensatz zu einer AG keine Rolle wie viel Kapital eine einzelne Person investiert hat. „Ein Mitglied, eine Stimme“ lautet unser Credo, so Geyer. Auch die regionale und örtliche Nähe macht einen großen Unterschied. Aufsichtsräte, Vorstände und Mitarbeiter trifft man bei kleineren Banken auf der Straße an und kann diesen mitteilen, ob man mit ihrer Arbeit zufrieden ist oder nicht.

Die Bilanzsumme hat sich um knapp zehn Prozent auf 548,3 Millionen Euro erhöht. Unsere Erwartungen wurden hier mehr als übertroffen, so Geyer. Das Durchschnittswachstum der bayerischen Genossenschaftsbanken lag bei  8,5 Prozent. Stolz zeigte sich der Vorstandssprecher auch über die Entwicklung beim betreuten Kundengesamtvolumen, da man hier erstmals die Milliardengrenze durchbrach.

Die Höhe der ausgereichten Kredite stieg um bemerkenswerte 6,7 Prozent an und belief sich zum Ende des Jahres 2020 auf knapp 239 Millionen Euro. Dabei wuchs die Kreditvergabe an Privatpersonen um fünf Prozent auf 135 Millionen Euro. Ungebrochen stark blieb erneut das Kreditgeschäft mit Firmenkunden, dass um satte 8,3 Prozent anstieg. Diese Wachstumszahlen unterstreichen deutlich unsere regionale Verwurzelung und die Bedeutung unserer Genossenschaftsbank als treibender Wirtschaftsfaktor, betonte der Vorstand. Aber das vergangen Jahr war auch durch Corona geprägt. So gewährte man 129 Zahlungsaufschübe, sowie viele LfA- und KfW-Förderkredite und weitere Firmendarlehen, um die Liquidität der Kunden aufrecht zu erhalten.

Über eintausend neu genehmigte Kreditaufträge wurden dabei bearbeitet, so Geyer. Eine Branche zeigte sich deutlich unbeeindruckt von der Pandemie – die Baubranche. Spürbar wird dies mittlerweile auch in der Region bei den Immobilienpreisen, so der Vorstand. Das eigene Anlageportfolio der Bank beläuft sich auf über 237 Millionen Euro und somit 24 Millionen Euro über dem Vorjahr. Bei den Kundengeldern verzeichnete die Bank einen Anstieg um 6,8 Prozent auf 449 Millionen Euro. Die Kunden parkten Ihre Gelder vorwiegend in liquiden Sichteinlagen. Auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten verlieren diese Gelder jedoch angesichts der Inflation immer mehr an Wert. Auch wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase legen viele Kunden mittlerweile ihr Erspartes immer mehr in Fondslösungen, aber auch in Einzelaktien an, was der rasante Anstieg bei den Eröffnungen von Wertpapierdepots unterstreicht.

Eine solide Eigenkapitalausstattung ist für eine Bank nicht nur wichtig zur Erfüllung der europäischen Eigenkapitalforderungen und Grundlage für Vertrauen in unsere Bank, sondern auch zwingende Voraussetzung für künftiges Wachstum, insbesondere im Kreditgeschäft, unterstrich Geyer. Die Bank erfüllt alle derzeitigen und mittelfristigen Eigenkapitalforderungen problemlos. Die Kernkapitalquote beläuft sich derzeit auf 16,85 Prozent und liegt damit über den Mindestanforderungen. Das erwirtschaftete und versteuerte Eigenkapital konnte man in den letzten fünf Jahren um rund acht Millionen Euro auf mittlerweile vierzig Millionen Euro stärken. Innerhalb der letzten zehn Jahren ist es uns sogar gelungen, dieses mehr als zu verdreifachen, so der Vorstandssprecher.

Getrieben durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld musste man im Berichtsjahr ein weiteres Abschmelzen des Zinsüberschusses hinnehmen. Bei der Provisionsspanne liegt man erfreulicherweise deutlich über dem Niveau des Durchschnitts der bayerischen Genossenschaftsbanken. Wer Ertrag erwirtschaftet, der zahlt aber auch Steuern. Die Steuerlast alleine aus der Einkommens- und Ertragssteuer sowie den sonstigen Steuern betrug insgesamt 724.000 Euro. Darin sind Gewerbesteuerzahlungen an unsere Kommunen in unserem Geschäftsgebiet über insgesamt 280.000 Euro enthalten, was unsere regionale Verbundenheit unterstreicht, betonte Geyer.

Aus dem Bilanzgewinn in Höhe von 521.562,13 Euro schlug Geyer erneut vor, eine Grund-Dividende von 1,00 Prozent auf die eingezahlten Geschäftsguthaben zu zahlen. Über die Dividendenzahlung hinaus erhalten die Mitglieder der Genossenschaft ebenso erneut eine Bonuszahlung. Diese ist gestaffelt nach der jeweiligen Zusammenarbeit mit der Bank wie beispielsweise für regelmäßige Lohn- oder Renteneingänge, für Anlagebeträge oder auch Kredite. Ein aktives Mitglied kann für seinen Geschäftsanteil so bis zu 10,52 Prozent an Rendite aus Bonus und Dividende erzielen. Ein Mitglied hingegen, das nicht mit uns zusammenarbeitet, erhält lediglich die Grund-Dividende von 1,00 Prozent, erläuterte der Vorstand das Modell. Die durchschnittliche Gesamtrendite für alle Mitglieder betrug im letzten Jahr deswegen 3,34 Prozent pro Geschäftsanteil.

Man ist zudem in der Fläche mit sechs Geschäftsstellen und neun Geldautoamten gut vertreten. Eine Kooperation mit der Sparkasse Oberpfalz Nord bietet darüber hinaus den Kunden die Möglichkeit an vier Standorten sich gebührenfrei mit Bargeld zu versorgen. Man ist stolz an dem Standort in Immenreuth gemeinsam mit der Sparkasse ein Bayern weit einmaliges Projekt – den FinanzPunkt – den Kunden anbieten zu können. Die Verwurzelung mit der Region zeigt sich auch mit den 26.000 Personen an Kunden. Davon nutzen über 10.000 die Mitgliedschaft, also jeder Dritte im Geschäftsgebiet. Man bietet 124 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon fünf Auszubildenden einen sicheren und abwechslungsreichen Arbeitsplatz.

Das Coronajahr hat viele Vereine und Institutionen vor großen Herausforderungen gestellt, blickte Geyer zurück Viele finanzieren einen Großteil ihrer Ausgaben durch Veranstaltungen, die ab März 2020 ausnahmslos abgesagt wurden. Für uns war es daher eine Herzenssache und Selbstverständlichkeit mit Spenden über insgesamt 60.000 Euro unsere Vereine, Kindergärten, Schulen und öffentlichen Einrichtungen zu unterstützen, so der Sprecher. Der Vorstand dankte am Ende allen Mitarbeitern, die mit viel Engagement einen entscheidenden Anteil an dem Erfolg der Bank haben. Sein Dank galt ebenso allen Mitgliedern, Vertretern und dem ehrenamtlich tätigen Aufsichtsrat für den stets sachkundigen Rat, aber auch für das partnerschaftliche und vertrauensvolle Miteinander.