Agrarforum - Eigenarten des regionalen Wetters

Wetterexperte Andy Neumaier informiert über das regionale Wetter

Über die Eigenarten des regionalen Wetters sprach der Wetterexperte unserer Zeitung Andy Neumaier beim 7. Agrarforum der Raiffeisenbank Oberpfalz NordWest eG, dass die Genossenschaft zusammen mit dem Ring junger Landwirte wieder organisierte. Der in Mitterteich aufgewachsene Meteorologe hat schon seit Kindesalter das Klima und das Wetter als solches fasziniert.

Unsere Heimat zählt schon immer zu einen der kältesten Regionen in Deutschland überhaupt, zeigte der Referent eingangs anhand mehrerer Schaubilder. Er ging dabei zuerst auf das Kontinentalklima sowie auf die bemerkenswerten Veränderungen in der Atmosphäre im Zuge des Klimawandels ein. Hauptfaktor dieses Wandels ist aber vor allem die Sonnenrotation und die Erdachsenschwankungen, gab der Referent dabei zu bedenken. Dies wird immer wieder außer Acht gelassen, um auf andere vom Menschen beeinflussbareren Faktoren hinzuweisen. Starke Klimaschwankungen und auch Schwankungen im natürlichen CO2-Haushalt der Atmosphäre gibt es seit Jahrhunderttausenden. So ist es ist nachgewiesen, dass es nicht zu weniger oder mehr an Niederschlägen in den letzten Jahrzehnten in unserer Region gekommen ist, betonte Andy Neumaier. Die Niederschläge treten aber verstärkt in kürzeren Zeitspannen auf, ebenso wie die Trockenheit. So regnete es beispielsweise in Braunsbach in Baden- Württemberg im Sommer 2016 genauso viel wie in den Sommern zuvor. An einem Tag regnete es aber innerhalb von nur zwei Stunden 170 Liter pro Quadratmeter, was natürlich katastrophale Folgen für den kleinen Ort hatte, versuchte der Referent die Veränderungen zu verdeutlichen.

Ausführlich ging der Redner auch auf die Situation vor Ort im Geschäftsgebiet der Bank ein. Die Besonderheit liegt darin, dass die Winde, die das Wetter bringen, hier in der Region auf den Steinwald und das Fichtelgebirge treffen, so Neumaier. Der Meteorologe warnte vor vielen Wetter-App´s auf dem Handy, die oftmals zu schnell Sturmwarnungen anzeigen. Was diese nämlich nicht berücksichtigen, sind die Himmelsrichtungen aus denen die Winde und somit das Wetter kommt. Das Wetter prallt, je nachdem aus welcher Richtung es kommt, an den hier befindlichen Mittelgebirgsmassiven ab und weicht oft zur Seite weg. Die meisten großen Unwetter bei uns kommen vorwiegend aus südwestlicher bis nordwestlicher Richtung. Diese schaffen es im wahrsten Sinne des Wortes aber selten über den Berg und wandern seitlich ab, so der Redner. So kann beispielsweise in Erbendorf oder Tirschenreuth immer noch die Sonne scheinen, während es im Bereich ab Ebnath Richtung Wunsiedel und Selb hagelt und donnert. Zur Vorsicht riet der Wetterexperte hingegen, sofern der Wind aus Nordosten oder gar Südosten aus Richtung Weiden zu uns kommt. Dies ist zwar seltener der Fall, dann trifft aber das Wetter mit voller Wucht auf uns, da es zwischen den Mittelgebirgen wie durch ein Flussbett in unsere Region hereinströmt.

Auf die Frage wie schnell der Klimawandel voranschreitet, gab der Meteorologe zur Auskunft, dass dies alles eine Frage des Blickwinkels ist. Betrachtet man die komplette Erdgeschichte, sind die Temperaturveränderungen derzeit nicht erwähnenswert, betrachtet man die letzten drei Jahrzehnte sind sehr wohl Veränderungen feststellbar. Nimmt man aber einen Zeitraum der letzten drei bis fünf Jahre kann hier teils schon wieder vom Gegenteil gesprochen werden, versuchte der Referent anhand mehrerer Grafiken die Zuhörer zu sensibilisieren. Auffallend sind hingegen die Wetterextreme, die immer wieder auch dokumentiert und sogar oftmals gefilmt werden. Vor dreißig Jahren hatte wiederum aber auch noch niemand ein Handy, mit dem man zum Beispiel einen Tornado, der auch hier in der Region immer wieder entsteht, filmen konnte. Der Tornado war aber vor drei Jahrzehnten auch schon da, schmunzelte Andy Neumaier.

Für die Zukunft prognostizierte er Winter mit längeren Kältephasen und durch „Angriffe“ von Warmluft teilweise auch schneereicher. Das Frühjahr und der Herbst wird vermehrt sehr trocken und überdurchschnittlich wärmer auftreten. Im Sommer wird es wechselhafter, schwüler und niederschlagsreicher. Zu fast allen Jahreszeiten werden extremere Temperatursprünge feststellbar sein, wobei diese extremeren Temperatursprünge für heftigere Wettererscheinungen sorgen können. Stärkere Kältephasen im Winter senken teilweise das Temperaturmittel über den Jahreslauf gesehen. Die Grundwasserspiegel wird vermutlich dabei weiter ansteigen, gab Neumaier zu bedenken, was derzeit auch so belegt werden kann.

In den kommenden Jahren werden speziell wir hier in der Oberpfalz mutmaßlich eher den Eindruck gewinnen, als würde sich das Rad wieder etwas zurückdrehen. Mehr Winter und schlechtere Sommer erzeugen subjektiv diesen Eindruck. Dennoch steigen die Temperaturen global an, auch wenn der Einfluss des Menschen wahrscheinlich eher marginal ist und der Verlauf am meisten den natürlichen und kosmischen Einflüssen geschuldet ist. Panik ist hier fehl am Platze, warnte der Meteorologe. Klimaschutzpolitik ist dennoch wichtig und auf keinen Fall ein Fehler, so Neumaier weiter. Unser schönes Stiftland ist durch seine spezielle geografische Lage aber in den kommenden Zeiten wohl noch immer eine „Insel der Seligen“. Oft wird der Eindruck entstehen, dass es „Andere“ viel härter trifft – auch wenn schädliche Wetterereignisse auch bei uns zunehmen werden.