Unfälle in der Landwirtschaft sind keine Seltenheit

Wie man sich am Unfallort bei einem Notfall verhält, darüber informierte Dr. Tobias Schindler beim 8. Agrarforum der Raiffeisenbank (wir berichteten)

Gerade den Landwirten sprach der leitende Oberarzt am Klinikum Fichtelgebirge anfangs seines kurzweiligen Referats ins Gewissen. Manche Notfälle könnten von vornherein vermieden werden, wenn man rechtzeitig reagiert. Bei fast allen Krankheitsbildern wie Schlaganfälle, Vergiftungen oder Infarkte sind die Behandlungschancen im Frühstadium fast immer behandelbar. Regelmäßig werden die Ärzte aber mit Selbstvorwürfen ihrer Patienten konfrontiert, in denen sie zugeben, dass sie früher hätten reagieren sollen. So könnte man sich viel Leid und Ärger ersparen, so Schindler, der entsteht, wenn man zu spät den Arzt oder Notarzt ruft. Die „Geht schon“-Mentalität ist hier vollkommen fehl am Platz, warnte der Arzt.
 
Tipps und Tricks, die nicht allen Anwesenden bekannt waren, gab der Mediziner seinen aufmerksamen Zuhörern mit auf dem Weg. Im Notfall gilt die bekannte Rufnummer 112, die sowohl für das Festnetz als auch vom Handy aus gewählt werden kann, da viele Unfälle im Freien oder unterwegs passieren. Jede Sekunde ist kostbar, wenn der Notarzt kommt. Deswegen riet Schindler einen Einweiser auf die Straße zu stellen und in der Nacht alle Lichter einzuschalten, damit klar ist, wo der Notarztwagen hin muss. Der Mediziner ging anschließend viele Krankheitsbilder mit den Anwesenden durch und beantworte hierzu auch vielerlei Fragen. Bei auch nur leichten Schlaganfällen oder Hirnblutungen gilt „Zeit ist Hirn“, da in den ersten vier Stunden Ärzte noch helfend auf den Patienten einwirken können.
 
Auch das Thema stabile Seitenlage, Symptome einer Lungenembolie oder eines allergischen Schocks schilderte der Doktor. Breiten Raum nahm das Thema Unfälle an Biogasanlagen ein, bei dem das Rettungspersonal besonders gefordert ist. Bei Notrufmeldungen hier bat er darum, anzugeben das der Unfall in Zusammenhang mit einer solchen Anlage steht. Durch den Austritt von Gasen können auch schnell die Retter bewusstlos werden. Deswegen gilt hier vor allem die Devise „Eigenschutz, Eigenschutz, Eigenschutz!“ empfahl Tobias Schindler. Personenrettung ist nur unter Atemschutz sicher und damit eine Aufgabe für die Feuerwehr. Betroffene Personen sollte man nach der Bergung möglichst entkleiden, da auch die Kleidung noch lange ausdünstet und so Gase freigibt.
 
Weiter erläuterte der Mediziner das Thema Herzinfarkt und die richtigen Verhaltensweisen vor Ort. Der Patient sollte zuerst angesprochen werden. Reagiert dieser nicht, kann er berührt und anschließend sogar leicht geschüttelt werden. Danach sollte sichergestellt werden, ob die Atemwege frei sind, bevor mit der Herzdruckmassage begonnen werden kann. Durch das schnelle Pressen auf den Brustkorb soll das Blut aus dem Herz entweichen und zurückfließen können. Wenn möglich soll dreißig Mal gepresst und anschließend zwei Mal beatmet werden, so Schindler. Auch die Handhabung mit einem Defibrillator erklärte der Oberarzt, die leichter ist, als viele Zuhörer gedacht hätten. Seine Gage an diesem Vormittag spendete Tobias Schindler für einen gemeinnützigen Zweck.