Technik, die nicht nur Landwirte begeistert

Smart-Farming beim 6. Agrartag - EDV sinnvoll ein- und umsetzen

Wie die EDV immer sinnvoller Einzug in landwirtschaftliche Betriebe hält und wie Hacker für einen kompletten Ernteausfall sorgen können, erfuhren die Landwirte beim 6. Agrarforum aus erster Hand.

Zu seinem mittlerweile sechsten Forum lud der Ring junger Landwirte zusammen mit der Raiffeisenbank Kemnather Land – Steinwald eG in den großen Vortragssaal der Genossenschaft ein. Dr. Patrick Ole Noack, Professor an der Hochschule-Weihenstephan-Triesdorf, berichtete über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft von "Smart Farming". Rolf Brilla, Geschäftsführer der EDV-Firma Procomp, referierte zu den Gefahren beim Thema IT-Sicherheit.

Bei einem eindrucksvollen und vor allem leicht verständlichen Vortrag ging der Professor von der Hochschule aus Triesdorf auf die geschichtliche Entwicklung der Technik und der EDV ein. Diese brachte in den letzten Jahrhunderten immer wieder revolutionäre Veränderungen zum Vorteil der Landwirtschaft mit sich, wobei der Referent auch gekonnt über den Tellerrand hinausblickte. Die landwirtschaftlichen Geräte sind in dieser Zeit immer größer und leistungsstärker geworden. Mittlerweile sind Traktoren so groß, so Noack, dass sie von deren für die Umwelt und vorallem Straßenverkehr zumutbaren Größe her an ihren Limiten angekommen sind.

Wissen aus vergangenen Tagen wiedergewinnen

Zudem waren früher die zu bewirtschaftenden Flächen für den einzelnen Landwirt viel überschaubarer. Dieser wusste, welche Flächen an welchen Stellen ertragreicher und somit beispielsweise dort weniger an Dünger gebraucht wurde. Heute hingegen kann der einzelne Landwirt seine Flächen überhaupt nicht mehr alleine bewirtschaften, was nicht selten durch den Einsatz von Lohnunternehmern ausgeglichen wird. Durch deren Arbeit verliert der Bauer aber das Wissen über die tatsächliche Ertragskraft der einzelnen Ernteflächen. Dies kann durch den zielgerichteten Einsatz von modernen EDV-Programmen ausgeglichen werden, so Noack, der dies an einigen Praxisbeispielen demonstrierte.

Die Begriffe Smart Farming, Farming 4.0 oder Precision Farming verwirren dabei oftmals, so der Redner weiter. Im Grunde beziehen sich diese aber immer auf die Weiterentwicklung der EDV in den letzten Jahren, wie sie auch auf anderen Gebieten stattfindet. Ziel ist es dabei, das eigentliche landwirtschaftliche Wissen bei der Bewirtschaftung von Flächen mit der modernen Technik zusammenzuführen und so die großen Maschinen und Traktoren in ihrer Effektivität zu steigern. Wenn der Computer weiß, an welche Stellen, ein Acker mehr oder auch etwas weniger gedüngt werden muss, steigt beispielsweise der Ertrag bei gleichzeitiger Schonung der Ressourcen, veranschaulichte Noack seine Thesen immer wieder an vielen Praxisbeispielen.

Gut Ding braucht Weile

Er empfahl sich aber auch immer erst einmal zurück zu lehnen, die Sache genau anzuschauen und immer für sich und seinen Betrieb genau zu prüfen, ob man beim Einsatz der technischen Neuerung den Umsatz steigern oder zumindest die Kosten senken kann. Ebenso kann es aber auch bereits von Vorteil sein, wenn dem Landwirt durch eine technische Neuerung ein Mehrwert entsteht, indem er mehr Zeit für sich, seine Familie oder seinen Betrieb anderweitig gewinnen kann. Sein umfangreiches Wissen demonstrierte der Professor gekonnt und in leicht verständlicher Sprache, als er anschließend auf die Instrumente einging, die in der Landwirtschaft in den letzten Jahren Einzug hielten.

Die Neuerungen im Bereich der Lenksysteme für Traktoren, der automatischen Teilbreitenschaltung für Anbaugeräte und den ISOBUS bezeichnete er als praxisreif, welche unabhängig von Feldfrucht und Bodenart im Alltag eingesetzt werden können. Einen Blick über den Tellerrand in die Zukunft wagte der Professor von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Traktoren ohne Führerhaus, die dank GPS gesteuert werden können oder Messsensoren, die beim Düngen den Nährstoffgehalt im Güllefaß vor der unmittelbaren Ausbringung messen, damit so wiederum die richtige Dosis an Dünger ausgebracht wird, sind nur einige Beispiele die hier erfolgversprechend werden können, so Noack.

Vorstand Joachim Geyer konnte neben dem Leiter des Fachzentrums für Milchviehhaltung Helmut Konrad aus Almesbach, sowie dem Aufsichtsratsvorsitzendem der Bank Hubert Kellner und dem Geschäftsführer der Raiffeisenmarkt-Waren-GmbH zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Der Vorstand betonte in seinem Grußwort den Förderauftrag der Genossenschaft gegenüber seinen Mitgliedern, dem man auch mit diesem mittlerweile sechsten Teil der Vortragsreihe gerecht wird. Er bedankte sich zusammen mit dem Landwirtschaftsbetreuer der Genossenschaft und Moderator der Veranstaltung Christoph Heinl bei den beiden Referenten mit einem kleinen Präsent.

v.l.: Vorstand Joachim Geyer und Landwirtschaftsbetreuer Christoph Heinl bedankten sich bei Prof. Dr. Patrick Ole Noack von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und bei Rolf Brilla von der ProComp GmbH für deren Ausführungen beim 6. Agrarforum ebenso wie Vorstand Robert Haubner.