Zukunft der Landwirtschaft

Die Bayerische Jungbauernschaft Kemnath lud zusammen mit der örtlichen Raiffeisenbank zum traditionellem Agrarforum für Landwirte ein. Der Referent Ludwig Huber ging auf die Herausforderungen für die bayerische Milchwirtschaft ein. Über die Erfahrungen und Absicherungen mit der "Afrikanische Schweinepest" referierte Agrar-Spezialist Andreas Steffl.

Die Herausforderungen für die bayerische Milchwirtschaft nehmen zu, aber es entstehen auch Chancen für gut geführte Betriebe, lautete die Botschaft von Ludwig Huber, der Bereichsleiter der Beratung Ware und Dienstleistung beim Genossenschaftsverband Bayern. Wie sehr der Weltmilchmarkt den EU- und deutschen Milchmarkt in weiten Teilen bestimmt, erläuterte er anhand von vielen Schaubildern und Statistiken. Er ging dabei auch auf die bilateralen Verhältnisse mit China ein, zeigte aber ebenso die Bedeutung des kleinen Landes Neuseeland für den Weltmilchmarkt auf.
 
Anschließend ging er auf die Landwirtschaft gerade im bayerischen ländlichen Raum ein. Themen wie „Rettet die Bienen“, die Anbindehaltung oder die Düngeverordnung, aber auch die fortschreitende Digitalisierung, die Auflagen bei der Schweinhaltung, sowie nicht zuletzt der Klimawandel beschäftigen die Landwirte immer mehr, so Huber. Weltweite politische und wirtschaftliche Entwicklungen zeigen zudem auch beim Milchmarkt Wirkung. Das Russland-Embargo, der Corona-Virus oder der Brexit und die Strafzölle von Trump sind hier nur einige Bespiele.
 
Deutlich wird diese Tatsache auch, indem man die Entwicklung des Rohölpreises neben die des Milchpreises legt, zeigte Huber an einem Schaubild auf. Höhere Kosten bei der Erzeugung und Verarbeitung benachteiligen vor allem die süddeutsche Milchwirtschaft. Auch die hohe Konzentration vor allem der großen Player im Lebensmitteleinzelhandel lassen wenig Spielraum bei der Preisgestaltung, kritisierte Huber. In Bayern gibt es insgesamt noch rund 25.000 Milchlieferanten, aber nur vier große Konzerne im Lebensmitteleinzelhandel, die rund achtzig Prozent des Marktes beherrschen.
 
Er gab zu bedenken, dass eine Abkopplung vom Weltmarkt durch differenzierte Vermarktung nur bedingt möglich ist. Die Herausforderungen für die bayerische Milchwirtschaft nehmen zu, aber Chancen für gut geführte Betriebe bleiben, ist sich der Referent sicher. Er verwies dabei beispielsweise auf die weltweit steigende Nachfrage nach hochwertigen Milchprodukten. Süddeutsche Milchprodukte genießen weltweit hohes Ansehen, betonte Huber. Unsere hohe Milchqualität entsteht auch dadurch, weil anderswo auf der Welt immer mehr Dürre herrscht oder ganze Wälder einfach abgeholzt werden.
 
Im zweiten Teil des Vormittags ging Agrar-Spezialist Andreas Steffl von der Münchener Magdeburger Agrar-Versicherung kurz auf die wesentlichen Schadenfälle  Hagel, Starkregen, Sturm und Frost bei landwirtschaftlichen Betrieben ein. Aber vor allem auf die aktuell drohenden afrikanischen Schweinepest machte der Referent aufmerksam. Die normale Tierseuchenkasse deckt hier nur Schäden ab, wenn man direkt betroffen ist. Für Schäden, die dadurch entstehen, weil man im Sperrbezirk oder Beobachtungsgebiet um den eigentlichen betroffenen Betrieb liegt, zahlt diese nicht.
 
Die Wahrscheinlichkeit in einem dieser zwei Gebiete zu liegen ist um ein vielfaches höher als direkt betroffen zu sein, warnte Steffl. Lieferverbote, Verkaufsbeschränkungen, zusätzliche Reinigungs- und Desinfektionskosten, sowie vor allem Einnahmenausfälle über mehrere Wochen drohen in einem solchen Fall. Er zeigte dabei auch die angedachten Maßnahmen der Bundesregierung auf, wie Umzäunungen, aber auch Ernteverboten und ging auf die verschiedenen Risikogebiete nahe Tschechien und entlang der Autobahn A9 ein. Tschechien hat die ASP aktuell wieder im Griff, nicht aber beispielsweise Polen, China, Russland oder die Ukraine.

Die Risiken, die hier entstehen sollten rechtzeitig überprüft und abgesichert werden und nicht erst, wenn es zu spät ist, da auch eine Wartezeit von rund vier Wochen existiert, so Steffl. Sollten Schutzmaßnahmen des Staates angeordnet werden, kann schnell ein mehrmonatiges Ernteverbot angeordnet werden. Der Landwirtschaftsbetreuer der Bank Christoph Heinl bedankte sich abschließend mit einem Präsent bei den Referenten der Veranstaltung, zu der er auch Ulrich Härtl vom Bayerischen Bauernverband aus Tirschenreuth, Kreisbäuerin Irmgard Zintl, den Vorsitzenden der Jungbauernschaft Kemnath Tobias Vogel sowie Helmut Konrad, dem Leiter des Fachzentrums für Milchviehhaltung aus Almesbach und Aufsichtsratsvorsitzenden Johannes Reger als Ehrengäste begrüßen konnte.